Kernenergie schenkt Leben – Wo kommt denn die Aussage her?

Kernenergie, das klingt schön. Es klingt schöner als Atomenergie. Das Wort Atomenergie wurde in den 50ern und 60ern verwendet. In den 50ern hielt Eisenhower eine Rede vor den Vereinten Nationen mit dem Titel „Atome für den Frieden“. Aber der kalte Krieg, das Wettrüsten und insbesondere die Atombomben auf Hiroshima und Nagaski schürten die Angst der Menschen vor einem Atomkrieg. So änderte man Mitte der 60er Jahre Atom in Kern. Die Kernenergie schenkt Leben. 
 

Wells befreite Welt 

Susan Boos schreibt dazu: „Der Begriff Kern ist durch und durch positiv. Äpfel und Birne haben Kerne, Kerne bringen Leben“ (BOOS 2012, S. 121). 1914 freut sich der Biologe, Historiker und Schriftsteller Herbert George Wells über die neue Atomkraft und schreibt in seinem prophetischen Roman Befreite Welt „Ich sehe, wie die Wüsten fruchtbar werden, wie das Eis der Pole schwindet und die ganze Erde zu einem Paradies wird. Ich sehe, wie sich die Macht des Menschen bis zu den Sternen erstreckt“ (Buser 2019, S. 18).
 
Mitte der 50er Jahre setzt sich Eisenhower für die zivile Nutzung der Atomenergie ein. Er sah Chancen der Energiegewinnung, die eine goldene Zeit versprachen. Aus seiner Sicht stand die friedliche Nutzung der Atomenergie steht für Fortschritt, für Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung, für Prosperität und Wohlstand – und […] wurde in den Gegensatz zur militärischen Bedrohung gesetzt, die durch Atombomben sichtbar geworden war (Buser 2019, S. 21). 
 

Radioaktivität ist lebensbedrohlich

Heute wissen wir, die Stromgewinnung mit Hilfe der Kernkraft funktioniert hervorragend und wer von Radioaktivität kontaminiert wird, erkrankt und stirbt. Kernkraftwerke sind gefährlich. 

Gleichwohl gehen die Meinungen, wie gefährlich Kernkraftwerke/Atomkraftwerke tatsächlich sind, stark auseinander. Es kommt eben darauf an, mit wem man sich darüber unterhält. Unbestritten ist, die Radioaktivität ist gefährlich. Doch solange sie nicht austritt, aus den Kernkraftwerken, solange stellt sie keine Bedrohung für uns dar. Aus diesem Grund sind Kernkraftwerke robust und sicher gebaut, sagen die Regierungen und versprechen uns die Betreiber. 
 

Spaltung der Gesellschaft

Die Gesellschaft bleibt gespalten zwischen den Träumereien von ungeahntem Aufschwung und dem Schrecken des Atomkrieges, zwischen Erwartungen zum Segen der Technologie und Visionen über das Ende der Zivilisation (Buse 2019, S. 23).
 
Wenn ich heute an Kernkraftwerke denke, denke ich in erster Linie an unsauberen Strom. Ich verbinde Atomstrom mit sicherem Strom, denn diese Kraftwerke produzieren scheinbar problemlos und ununterbrochen, sofern sie am Netz sind. Gleichzeitig sorge ich mich darum, was passiert, wenn ein Kernkraftwerk einen SUPER-GAU erleidet. Ein SUPER-GAU ist ein größt anzunehmender Unfall, der nicht mehr beherrschbar ist. Bei einem SUPER-GAU tritt Radioaktivität aus. Dann nimmt das Übel seinen Lauf. 

Atomstrom schenk kein Leben! Es bedroht unser gesundes Leben – leise, unauffällig und gewaltig.

 

  • Marcos Buser (2019): Wohin mit dem Atommüll? Das nukleare Abenteuer und seine Folgen. Ein Tatsachenbericht. Rotpunktverlag.
  • Susan Boos (2012): Fukushima lässt grüßen. Die Folgen eines Super-Gaus. Rotpunktverlag.